Wo bekomme ich Unterstützung?

Wobei wird mehr Unterstützung gewünscht?

In unserer Online-Befragung zeigte sich grundsätzlich ein hoher Unterstützungsbedarf von Arbeitnehmenden. Hier stand die Durchsetzung rechtlicher Ansprüche im Vordergrund, jedoch gab es auch viel Bedarf bei der Umsetzung zeitlicher Arbeitsgestaltungsmaßnahmen (vgl. Abbildung). Viele Teilnehmende wünschten sich auch mehr Unterstützung beim Umgang mit der eigenen Erkrankung und den ggf. dadurch bedingten Einschränkungen.

Abbildung: Prozentuale Zustimmung (Mehrfachauswahl möglich).

Wenn Sie schwerbehindert sind, können Sie sich bei Fragen zu rechtlichen Ansprüchen oder zur Arbeitsplatzanpassung, sei es im zeitlichen, räumlichen oder organisatorischen Sinne, an die Integrationsfachdienste wenden. Diese haben die Möglichkeit, auch gemeinsam mit Ihrem Arbeitgeber vor Ort nach Lösungen zu suchen.

Sich über mögliche Ansprüche zu informieren, ist die eine Sache, sie auch durchzusetzen, eine andere. Bei der Durchsetzung von Ansprüchen können Sie im Betrieb durch die Schwerbehindertenvertretung oder den Betriebsrat unterstützt werden. Außerhalb des Betriebes können Sozialverbände, Gewerkschaften oder Anwälte für Arbeits- oder Sozialrecht helfen.

Was jedoch ebenfalls sehr wichtig ist, ist zu lernen, mit der eigenen Erkrankung und sich daraus möglicherweise ergebenden Einschränkungen umzugehen. Bei dieser Frage gibt es keine Patentlösung, kein „richtig“ oder „falsch“, hier muss jede und jeder den eigenen Weg finden.

Unterstützen können bei diesem Weg wieder insbesondere Selbsthilfeverbände, die umfangreiche Angebote zum Austausch mit anderen erkrankten Menschen bieten. Gerade, wenn es um die Verarbeitung der Erkrankung geht, kann jedoch auch psychologische Beratung sehr hilfreich sein.

Was kann die Selbsthilfe tun?

In unserer Online-Befragung haben wir ebenfalls die Frage gestellt, wie die Situation von chronisch erkrankten Menschen in der Arbeitswelt verbessert werden könnte. Die am meisten gewünschten Maßnahmen waren Schulungen für Arbeitgebende und Kolleginnen und Kollegen zum Thema „Arbeiten mit einer chronischen Erkrankung“ sowie ein erster Ansprechpartner, der für Fragen und Probleme bezüglich der Erkrankung am Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Dies unterstreicht zum einen den Wunsch danach, dass das Arbeitsumfeld gut über die Erkrankung informiert sein sollte. Zum anderen wird hier auch deutlich, dass im derzeitigen Unterstützungssystem nicht immer klar ist, an wen man sich bei welcher Frage wenden kann. Daher wäre ein erster Ansprechpartner wünschenswert, der dann weiterverweisen kann.

Ein möglicher erster Ansprechpartner kann auch hier wieder die Selbsthilfe sein. Wenn es aber z. B. um Fragen zur medizinischen oder beruflichen Rehabilitation geht, so können Sie sich an die Ansprechstellen der Rehabilitationsträger (z. B. Rentenversicherung, Agentur für Arbeit) wenden. Diese sollen über Leistungen der Rehabilitationsträger sowie über das Antragsverfahren informieren. Ebenfalls wichtig war den Befragten, dass die Selbsthilfe mehr mit anderen Unterstützungsstellen und auch mit Unternehmen zusammenarbeiten sollte, um am Arbeitsplatz einen leichteren Zugang zu Selbsthilfe zu bieten. Außerdem wurde verstärkt eine Bündelung von Informationen zum Thema „Arbeiten mit einer chronischen Erkrankung“ im Internet gewünscht, um sich möglichst niedrigschwellig informieren zu können.

Zusammenfassung: Praktische Empfehlungen

Aus der Befragung ergeben sich folgende Empfehlungen: Menschen mit einer chronischen Erkrankung benötigen mehr Informationen, insbesondere zu rechtlichen Fragen. „Mehr“ Information allein ist jedoch wenig hilfreich; es werden qualifizierte und auf die Person zugeschnittene Informationen benötigt. Weiterhin braucht es einen guten Überblick über die bestehenden Unterstützungsmöglichkeiten. Denn nur, wenn diese bekannt sind, können sie auch in Anspruch genommen werden. Viel zu viele Menschen mit einer chronischen Erkrankung fühlen sich allein gelassen im Unterstützungssystem und benötigen einen Lotsen, der auch über einen längeren Zeitraum Ansprechpartner sein kann. Dies ist insbesondere bei längerfristigen Prozessen wie Anpassungen der Arbeit oder auch der Verarbeitung der Erkrankung wichtig.

 

Quelle: Lobert, H. & Schipper, S. (2018). Arbeiten mit einer chronischen Erkrankung – Was muss sich tun? Online-Befragung Teil 3. Einhefter des MS-Magazins 04/2018 des DMSG-Landesverbandes NRW e.V.