Lust auf Arbeit

Miteinander stark sein – Lust auf Arbeit

Arbeitszeit ist Lebenszeit. Am Arbeitsplatz verbringt man einen mehr oder weniger großen Teil des Tages, der Woche, des Lebens. Gleichzeitig ist diese Lebenszeit bekanntlich begrenzt. Kommt eine chronische Erkrankung dazu, stellt sich die Frage, wie die eigene Lebenszeit verbracht werden soll, für viele besonders deutlich. Nicht wenige Menschen verändern nach der Diagnose auch Schwerpunkte in ihrem Leben. Welche Rolle dabei die Arbeit spielt ist individuell sehr unterschiedlich und hängt unmittelbar mit der Art der Tätigkeit und den krankheitsbedingten Einschränkungen zusammen. Sicherlich gibt es auch Arbeitsplätze oder Krankheitsverläufe, die mit „Lust auf Arbeit“ nicht in Einklang gebracht werden können. So kann der Arbeitsplatz auch einen Risikofaktor zur Entwicklung psychischer Störungen darstellen. Die psychische Beanspruchung am Arbeitsplatz ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Eine wachsende Anzahl von Arbeitnehmenden arbeitet in so genannten „prekären“ Beschäftigungsverhältnissen, immer mehr Menschen sind im Dienstleistungssektor tätig und der Wettbewerbs- und Leistungsdruck haben deutlich zugenommen. Um dem gewachsen zu bleiben, müssen Arbeitnehmende immer neue Anpassungsleistungen erbringen, für die sie eine Reihe von Ressourcen benötigen. Menschen mit einer chronischen Erkrankung müssen im Vergleich zu gesunden Arbeitnehmenden oft noch mehr Anpassungsleistungen erbringen, um Leistungsfähigkeit und Arbeitsmotivation aufrechterhalten zu können. Damit dies gelingen kann, sind natürlich in einem hohen Maße auch die Arbeitgeber gefordert, da oft über Veränderungen von Rahmenbedingungen die Arbeitsfähigkeit auch mit der Erkrankung erhalten bleiben kann. Darauf haben Arbeitnehmende leider nicht immer ausreichenden Einfluss und nicht alle Vorgesetzten reagieren positiv auf solche Veränderungswünsche. Nichtsdestotrotz kann das Thema Selbstmanagement – verbunden mit einer guten Selbstwahrnehmung bzw. Selbstfürsorge – dabei helfen, Verbesserungen für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu erzielen und die Lust an der Arbeit wieder zu steigern.

Zunächst möchten wir Sie einladen, sich mit folgenden Fragen auseinanderzusetzen:

Kann Arbeit Spaß machen? Darf Arbeit vielleicht sogar Spaß machen? Oder hört bei der Arbeit der Spaß auf? Schließlich handelt es sich um eine Pflicht. Darf man sich am Ende eines Arbeitstages gut fühlen? Oder hat man dann nicht genug gearbeitet? Ist erst völlige Erschöpfung der „Beweis“ für Fleiß und Produktivität? Wie sehen Ihre individuellen Rahmenbedingungen aus? Wo sind Sie an Vorgaben gebunden und an welchen Stellen haben Sie Freiräume, die Sie gestalten können? Haben Sie Lust zu arbeiten oder sehnen Sie schon morgens nach dem Aufstehen den Feierabend herbei? Wie viel Lebenszeit verbringen Sie am Arbeitsplatz? Und wie zufrieden sind Sie mit dieser Lebenszeit? Hat die Erkrankung Ihre Lust auf Arbeit verändert? Oder hat vielleicht eine krankheitsbedingte Einschränkung Ihrer Leistungsfähigkeit die Freude an der Arbeit negativ beeinflusst? Und wenn ja, inwiefern? Wie zuversichtlich sind Sie, selbst etwas verändern zu können, was Ihnen mehr Lust auf Arbeit macht?

Lust auf Arbeit hängt unmittelbar mit dem eigenen Wohlbefinden zusammen. Das heißt, das Thema kann von zwei Seiten angegangen werden: 1. Was können Sie völlig unabhängig von Ihrem Arbeitsplatz für Ihr Wohlbefinden tun? 2. Was können Sie direkt am Arbeitsplatz bzw. an Ihrer Tätigkeit verändern, um mit mehr Spaß und Energie zu arbeiten? Manchmal sind es überraschende Kleinigkeiten, die einen bedeutenden Unterschied ausmachen und möglicherweise fallen Ihnen ja spontan schon einige Dinge ein, die Ihnen guttun könnten.

Zunächst soll relativ kurz auf einige allgemeine Punkte eingegangen werden, die unmittelbar mit dem subjektiven Wohlbefinden zusammenhängen. Einiges ist schon vermeintlich so selbstverständlich, dass oft zu wenig Aufmerksamkeit darauf verwendet wird. Wir möchten Sie deshalb einladen, sich trotzdem mit diesen Punkten zu beschäftigen, auch wenn Sie im ersten Moment vielleicht denken mögen, es handelt sich um Nebensächlichkeiten.

Schlaf

Damit an Lust auf Arbeit überhaupt zu denken ist, braucht man ein ausreichendes Energielevel und dies hängt direkt mit der Qualität des Schlafes zusammen. Wie ist es um Ihren Schlaf bestellt? Schlafen Sie ausreichend? Ungestört? Oder gibt es aufgrund von Krankheitssymptomen Unterbrechungen beispielsweise durch nächtliche Toilettengänge, Schmerzen oder Krämpfe? Aber auch arbeitsplatzbezogene Sorgen können den Schlaf kosten und in manchen Fällen einen Teufelskreis in Gang setzen.

Neben so genannten schlafhygienischen Maßnahmen können symptomatische Therapien der Erkrankung oft Linderung schaffen und so Tagesmüdigkeit reduzieren. Und auch Grübeleien und Sorgen sollten in jedem Fall thematisiert werden. Sprechen Sie Ihren Arzt, Psychotherapeuten oder Ihren Selbsthilfeverband an, wenn Sie Fragen dazu haben.

Entspannung

Entspannung wird leider von den meisten Menschen sträflich vernachlässigt, dabei ist Entspannung die Voraussetzung, um überhaupt leistungsfähig zu sein. Anspannung und Entspannung müssen sich abwechseln, damit Menschen sich voller Elan und Energie fühlen. Leider wird Entspannung häufig mit Faulheit oder Passivität gleichgesetzt. Wird Entspannung bewusst und gezielt eingesetzt, ist sie aber eine unverzichtbare Quelle für Leistungsfähigkeit, Energie und sogar Lebensfreude. Was dem Einzelnen Entspannung bringt, kann dabei sehr unterschiedlich sein, deshalb lohnt es sich genau dies herauszufinden. Was tut Ihnen gut? Welche Aktivität führt dazu, dass Sie sich erholt und erfrischt fühlen? Passives Fernsehen zählt übrigens nicht unbedingt zu den Aktivitäten, die zu (körperlicher) Entspannung führen. Auch wenn natürlich der Körper nicht gefordert wird und auch das Sitzen als gemütlich empfunden wird, kann die Filmauswahl zu mehr Stress und innerer Anspannung führen, die nicht unmittelbar körperlich abgebaut werden kann.

Wesentlich besser eignen sich Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Atemübungen, Yoga, Meditation, Achtsamkeit, Sport, Fantasiereisen, Malen, Spaziergänge, oder, oder, oder.

Viele Menschen behaupten von sich schwer oder gar nicht entspannen zu können. Diese Aussage sollte nicht einfach hingenommen, sondern vielmehr als Risikofaktor sehr ernst genommen werden. Jeder Mensch hat von Natur aus die Fähigkeit zu entspannen – viele Menschen verlieren diese Fähigkeit aber im Laufe eines Lebens, wenn sich eine Anforderung an die nächste reiht und kein Platz mehr für Erholung bleibt. Die Fähigkeit, sich zu entspannen, muss nämlich so regelmäßig trainiert werden wie Muskeln, damit sie auch in stressigen Zeiten zur Verfügung steht. Einmal im Monat Wellness oder Sport reichen nicht, vielmehr ist zu überlegen, wie Entspannung täglich in den Alltag und auch in den Arbeitsalltag integriert werden kann. Eine zweiminütige Atemübung jede Stunde ist dabei wesentlich effektiver, als ohne Pause durchzuarbeiten, um früher Feierabend zu haben (und dann wahrscheinlich völlig energielos zu sein). Entspanntes Arbeiten schließt übrigens auch nicht aus, am Ende des Tages viel geschafft zu haben – im Gegenteil.

Wie steht es um Ihre Entspannungsfähigkeit? Welche Techniken passen zu Ihnen? Wo hat Ihr Arbeitstag Platz für (kurze) Entspannungspausen? Wo hat Entspannung in Ihren Pausen Platz? Wie können Sie „heimlich“ entspannen, ohne Ihre Arbeit unterbrechen zu müssen (ja, auch das kann man lernen)? Wie müssen Sie Ihre Freizeit gestalten, um Anspannung abzubauen? Welche Rolle spielen die Wege zur Arbeit und zurück?

Falls Sie keine Ideen haben, wie Sie diesen Punkt in Angriff nehmen können, wenden Sie sich an Ihren Selbsthilfeverband. Außerdem bieten viele Krankenkassen Stressbewältigungskurse oder Informationsmaterialien an.

Ernährung

Was hat Ernährung mit Lust auf Arbeit zu tun? Auch wenn es wie eine Binsenweisheit klingt: Nahrung liefert uns die Energie, die wir brauchen. Dabei haben Qualität und Menge natürlich einen direkten Einfluss auf unser Wohlbefinden. Pommes und Currywurst in der Mittagspause verbessern bei den wenigsten die Leistungsfähigkeit, sondern lösen eher die Sehnsucht nach einem Mittagsschlaf aus. Genauso sind lange Pausen ohne Essen und vor allem ohne Wasser ein sicherer Killer für die Leistungsfähigkeit und lassen die meisten eher den Feierabend herbeiwünschen.

Wie können Sie Ihre Ernährung und Ihr Trinkverhalten optimieren? Welche Nahrungsmittel schenken Ihnen Energie? Welche liegen eher schwer im Magen? Essen Sie zu viel oder zu wenig? Planen Sie genug Zeit für das Essen ein?

Positive Aktivitäten

Dieser Punkt hängt sehr eng mit dem Thema Entspannung zusammen. Für viele Menschen hat der Arbeitsplatz einen sehr hohen Stellenwert (nicht selten auch aus Angst die Stelle zu verlieren). Das bedeutet auch, dass die Freizeit und angenehme Aktivitäten diesem Bereich oft untergeordnet werden. Frei nach dem Motto: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Schwierig wird es allerdings dann, wenn aus zeitlichen und/oder gesundheitlichen Gründen zuerst das Vergnügen wegfällt, weil Menschen alle Energie für den Arbeitsplatz aufwenden wollen.

Kurzfristig funktioniert dieses Modell ganz gut: Die Arbeit wird besser bewältigt und zu Hause wird vor allem ausgeruht, um fit für den nächsten Arbeitstag zu sein. Langfristig hat dieses Modell jedoch massive gesundheitsschädigende Nachteile: Menschen brauchen positive Aktivitäten für ihre Gesundheit genauso dringend wie die Luft zum Atmen, Schlaf und Nahrung. In unserer sehr leistungsorientierten (Arbeits-)Welt wird diesem Punkt leider viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Insbesondere die seelische Gesundheit leidet, wenn das Vergnügen fehlt. Dies kann bis zur Entwicklung einer behandlungsbedürftigen depressiven Episode führen.

Deshalb prüfen Sie regelmäßig: Wie viele Ihrer Aktivitäten tun einfach sinnlos gut? Mit wem oder was können Sie Energie auftanken? Tun Sie genug davon? Oder woran scheitert es? Was hat Ihnen früher einmal gut getan und was davon könnten Sie auch zukünftig umsetzen? Was bringt Sie zum Lachen? Was inspiriert Sie? Wonach haben Sie immer wieder Sehnsucht und was davon lässt sich realistisch umsetzen?

Eigene Ansprüche und ungünstige Überzeugungen

Viele Arbeitnehmende haben einen sehr hohen Leistungsanspruch an sich selbst, manche sogar einen unerfüllbaren. Kommt es dann zu nachlassender Leistungsfähigkeit aufgrund der Erkrankung, geraten viele in einen sehr starken inneren Konflikt diesem Anspruch trotzdem weiter gerecht zu werden. Im schlimmsten Fall geraten Betroffene in einen Teufelskreis aus Überforderung, diesem Anspruch mit allen Mitteln wieder nachzukommen; manchmal bis zur völligen Erschöpfung. Im Idealfall gelingt eine ehrliche Auseinandersetzung, die natürlich auch mit Schmerz und Trauer verbunden sein kann, was realistisch möglich ist und was nicht. Neben eigenen hohen Ansprüchen haben unzufriedene und gestresste Arbeitnehmer häufig auch mit ungünstigen arbeitsplatzbezogenen Überzeugungen zu kämpfen. Diese reichen von „Ich bin unentbehrlich.“ über „Ich werde diesen Job verlieren, wenn ich auch nur die kleinste Schwäche zeige.“ bis hin zu „Es gibt keinen Ausweg aus diesen Schwierigkeiten“. Auch wenn manche dieser Überzeugungen manchmal einen wahren Kern haben, sind sie dennoch alles andere als hilfreich, um möglichst gesund und leistungsfähig zu bleiben, geschweige denn mit Freude zu arbeiten. Angst ist generell ein sehr schlechter Ratgeber. Oft ist bei dieser Auseinandersetzung professionelle Unterstützung durch einen Berater/Therapeuten hilfreich. Gleichzeitig gilt es, die gewonnenen Erkenntnisse und die hoffentlich angepassten Ansprüche am Arbeitsplatz umzusetzen und eventuell Arbeitszeiten und Aufgaben neu zu strukturieren. Das kann von veränderten Einstellungen gegenüber der Arbeit über andere Pausenzeiten bis hin zur Teilberentung gehen.

Maßnahmen direkt am Arbeitsplatz

Rahmenbedingungen

Rahmenbedingungen zu verändern, ist manchmal das schwierigste Unterfangen. Nicht alle Branchen, Arbeitsplätze und Vorgesetzten haben Spielraum für individuelle Verbesserungen. Trotzdem möchten wir anregen zu überlegen, welche Veränderungen den eigenen Bedürfnissen entsprechen würden und ob es eventuell doch Möglichkeiten gibt, diese Veränderungen am bestehenden Arbeitsplatz zu realisieren. In Gesetzen (zum Beispiel im Arbeitsschutzgesetz) ist formuliert, dass „…jeder Arbeitgeber Arbeitsbedingungen schaffen bzw. Maßnahmen ergreifen muss, die seine Arbeitnehmer vor Gefahren für Leib, Leben und Gesundheit schützen.“ (aus: „Arbeitswelt und psychische Störungen, 2017). Führungskräfte/Vorgesetzte haben gegenüber ihren Mitarbeitern außerdem eine Fürsorgepflicht, was Sicherheit und Gesundheit ihrer Angestellten betrifft. Dies kann nicht einfach übergangen werden. Aus diesen rechtlichen Grundlagen ist auch die betriebliche Gesundheitsförderung entstanden, die Sie für sich nutzen können. Zudem haben Sie mit einer chronischen Erkrankung auch bestimmte zusätzliche Rechte am Arbeitsplatz, vorausgesetzt Sie haben einen Schwerbehindertenausweis, welcher auch am Arbeitsplatz vorgelegt wurde. Viele Erkrankte scheuen sich zunächst diesen Ausweis zu beantragen und vorzulegen, Vor- und Nachteile sollten gut gegeneinander abgewogen werden. Aber gerade wenn sich die Leistungsfähigkeit erkrankungsbedingt verschlechtert, kann es sich lohnen, dieses Thema nochmal zu überdenken.

Welche Veränderungen würden Ihnen helfen leistungsfähiger zu sein bzw. Ihre Leistungsfähigkeit besser ausschöpfen zu können? Fortbildungen? Gesundheitskurse? Gibt es die Möglichkeit die Kernarbeitszeit zu verändern? Wie können Überstunden vermieden werden? Ist Gleitzeit denkbar? Oder Homeoffice? Individuelle Pausenregelungen? Ruhe- oder Rückzugsräume? Stundenreduzierungen oder Teilerwerbsminderungsrente? Ein freier Tag mitten in der Woche? Ein anderes Büro, das ruhiger ist oder näher am Eingang oder an der Toilette? Anpassungen oder Hilfsmittel am Arbeitsplatz? Veränderungen der Tätigkeitsschwerpunkte?

Manchmal ist es erstaunlich, was alles geht, wenn Sie sich trauen Ihre Bedürfnisse anzusprechen. Am besten immer mit der Betonung darauf, warum auch die Firma/der Vorgesetzte von diesen Veränderungen profitieren würde: „Ich kann in einem Büro mit Klimaanlage schneller und konzentrierter arbeiten, mache weniger Fehler.“ statt „Ich werde immer so träge, wenn es heiß ist“.

Einige dieser Rahmenbedingungen lassen sich unter Umständen auch mit Hilfe eines Integrationsfachdienstes und/oder der Zusammenarbeit mit den zuständigen Betriebsärzten durchsetzen. Wenn Sie sich ausführlicher über diese Möglichkeiten informieren möchten, können Sie sich beispielsweise an Betriebsärzte, Mitarbeitervertretungen, den zuständigen Integrationsfachdienst und natürlich auch an Ihren Selbsthilfeverband wenden.

Falls Sie der Überzeugung sind, dass an den Rahmenbedingungen nichts zum Vorteil verändert werden kann, können Sie vielleicht noch auf Plan B zurückgreifen und überlegen, welche Faktoren mehr in Ihrer Hand bzw. in Ihrem Kopf liegen. So spielen Bewertungen und Gedanken bezüglich der Arbeit eine sehr große Rolle hinsichtlich der Arbeitszufriedenheit und Motivation. Gleichzeitig erleben Menschen, die auf dieser Ebene an sich und ihren Bewertungen arbeiten, ein größeres Gefühl von Kontrolle und Selbstwirksamkeit. Zwei Beispiele werden im Folgenden beschrieben.

Vorfreude schaffen

Sind Sie schon mal mit Vorfreude zur Arbeit gegangen? Eine schöne Vorstellung, sich nicht nur auf den Feierabend zu freuen, sondern auch auf die Zeit davor, oder? Wie kann das gelingen? Sicherlich gibt es auch Arbeitsplätze, bei denen man sich noch so sehr anstrengen kann, ohne jemals annähernd ein Gefühl von Freude geschweige denn Vorfreude zu bekommen. Aber es gibt auch einige Dinge, die überraschend einfach umgesetzt werden können.

Wie muss Ihr persönlicher Start in den Tag aussehen? Möglichst auf die letzte Sekunde ankommen und sofort loslegen? Oder erst eine Tasse Kaffee trinken und den Kollegen „Guten Morgen“ sagen? Was wären echte Highlights für die Pause? Ist genug von Ihrer Lieblingsteesorte vorhanden? Ist Ihr Arbeitsplatz ansprechend gestaltet, so dass Sie sich gerne dort aufhalten? Gibt es Gestaltungsmöglichkeiten? Gibt es Aufgaben, die Sie gerne übernehmen würden? Oder Kollegen, mit denen Sie gerne enger zusammenarbeiten möchten? Was hat Sie einmal an Ihrer Tätigkeit begeistert? Und was davon können Sie reaktivieren? Gibt es Fortbildungen, die Sie gerne besuchen möchten? Welche Tätigkeiten gehen Ihnen leicht von der Hand, welche nicht und wie können Sie dieses Wissen über den Tagesverlauf mit Ihrer Leistungsfähigkeit in Einklang bringen?

Überlegen Sie aber auch, welche Faktoren am Arbeitsplatz oder auch die Gesundheit betreffend Vorfreude im Keim ersticken. Sind diese Faktoren veränderbar? Wenn ja, wie? Und wenn nein, was bedeutet das langfristig? Wie lange können Sie es an einem Arbeitsplatz aushalten, wenn diese Dinge völlig fehlen? Welche guten Gründe gibt es auf Freude (eine Zeitlang) zu verzichten? Aber an welcher Stelle ziehen Sie Ihrer Gesundheit zuliebe die Reißleine?

Und auch die Vorfreude auf den Feierabend kann Energie geben (siehe Entspannung und positive Aktivitäten). Stellen Sie sich am Ende des Arbeitstages die Frage: Worauf freue ich mich heute noch? Und planen Sie gezielt Aktivitäten und Kontakte ein, die Ihnen guttun. Gerade bei schwierigen Arbeitsplatzsituationen kann dies einen wichtigen Puffer darstellen.

Ressourcen aktivieren

Ob Menschen eine Situation als Belastung oder Herausforderung bewerten, hängt vor allem von den subjektiv wahrgenommenen Ressourcen ab. Die gute Nachricht: Jeder Mensch verfügt über Ressourcen. Nur leider sind nicht alle Menschen gut in der Lage Ressourcen auch als solche wahrzunehmen. Vermeintliche Kleinigkeiten werden als Kraftquellen schnell übersehen. Deshalb lohnt es sich, manchmal auch mit professioneller Unterstützung, den Blick für die eigenen Ressourcen zu schärfen. Ressourcen können andere Menschen sein, eigene Fähigkeiten, Erlebnisse, Erfolge etc.

Hier einige Anregungen, um sich Ihre Ressourcen, auch bezogen auf den Arbeitsplatz, bewusster zu machen:

Was war gut an diesem Arbeitstag? Worüber habe ich mich gefreut? Worauf bin ich heute stolz? Was erfüllt mich mit Zufriedenheit? Was habe ich heute geschafft? Was hat mich heute zum Lachen gebracht? Wie habe ich Herausforderungen gemeistert? Welche meiner Fähigkeiten oder Stärken hat mir heute gute Dienste geleistet? Was kann ich heute besser als früher? Wen in meiner Arbeitsumgebung erlebe ich als Unterstützung?

Zusammengefasst wird deutlich, dass Selbstverantwortung und Selbstfürsorge für die Lust auf Arbeit eine große Rolle spielen. Es gibt tatsächlich Menschen, die trotz schwieriger Arbeitsumstände und/oder gesundheitlicher Einschränkungen mit Freude und subjektivem Sinn bei der Sache sind. Ein Stück weit kann man diese Fähigkeit erlernen und die bisherigen Anregungen sollen dabei helfen. Scheuen Sie sich aber nicht, auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, damit Arbeit möglichst ein Stück weit mehr Kraftquelle als Energieräuber sein kann. Die Unterstützungsmöglichkeiten sind dabei sehr vielfältig und reichen von betrieblichem Gesundheitsmanagement über Präventionskurse und Rehabilitationsmaßnahmen bis hin zu ambulanter Psychotherapie und medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten.

Literaturverzeichnis

Bode, K., Maurer, F., & Kröger, C. (2017). Arbeitswelt und psychische Störungen (Bd. 66). (M. H. Kurt Hahlweg, Hrsg.) Göttingen: Hogrefe.

Koch, S., Lehr, D., & Hillert, A. (2015). Burnout und chronischer beruflicher Stress (Bd. 60). (K. Hahlweg, M. Hautzinger, J. Margraf, & W. Rief, Hrsg.) Göttingen: Hogrefe.

 

Quelle: Von der Heiden, K. & Schipper, S. (2017). Miteinander stark sein. Lust auf Arbeit. Einhefter des MS-Magazins 04/2017 des DMSG-Landesverbandes NRW e.V.