Netzwerke am Arbeitsplatz und außerhalb des Arbeitsplatzes

Miteinander stark sein – Netzwerke aufbauen und nutzen

Nicht alle Veränderungen im Arbeitsalltag können im Alleingang durchgeführt werden. An vielen Stellen spielen Kooperation, Verständnis und vor allem das Wissen um die eigenen Rechte und Pflichten eine wichtige Rolle.

Im folgenden Text soll deshalb der Schwerpunkt auf die unverzichtbaren Netzwerke gelegt werden, die eine große Rolle dabei spielen können, wie gut oder schlecht der Verbleib am Arbeitsplatz trotz einer chronischen Erkrankung gelingen kann. Diese Netzwerke funktionieren immer nur so gut, wie die einzelnen Partner es zulassen. Aus der täglichen Beratungspraxis sind viele Hindernisse aus dem realen Arbeitsleben bekannt, die sich nicht einfach überwinden lassen. Eine grundsätzliche Überlegung besteht beispielsweise darin, ob die eigene Erkrankung am Arbeitsplatz bekannt gemacht werden soll oder nicht. Diese Überlegung fällt sehr unterschiedlich aus. Viele entscheiden sich aus guten Gründen, weder dem Vorgesetzten noch den Kollegen mitzuteilen, dass die Diagnose einer chronischen Erkrankung gestellt wurde. Wenn es keine sicherheitsrelevanten Einschränkungen gibt und Sie Ihre vertraglich geregelte Arbeitsleistung erbringen können, sind Sie nicht verpflichtet, die Diagnose am Arbeitsplatz mitzuteilen. Und wägen Sie auch sorgfältig ab, wem Sie diese Information anvertrauen, da es ja auch nicht wieder zurückgenommen werden kann.

Nichtsdestotrotz möchte dieser Text auch Hoffnung und Motivation schaffen – ganz unabhängig davon, ob Sie die Diagnose öffentlich machen oder nicht – die eigenen Möglichkeiten und leider vielleicht auch Grenzen der Netzwerke auszutesten, anstatt es aus Zweifeln und Ängsten gar nicht erst zu versuchen. Denn es gibt auch Beispiele aus der Beratungspraxis, die hoffnungsvoll stimmen. Um einen besseren Überblick zu erreichen, wird eine Einteilung in die drei Bereiche 1. Netzwerke am Arbeitsplatz, 2. Netzwerke zu professionellen Helfern und 3. Netzwerke im privaten Umfeld vorgenommen, wobei es natürlich auch Überschneidungen dieser Bereiche gibt.

1. Netzwerke am Arbeitsplatz

Der gute und vertrauensvolle Kontakt zu den Kollegen kann sicherlich das tragfähigste Netz am Arbeitsplatz darstellen. Leider unterscheidet sich die Kollegialität von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz deutlich: von enger familiärer Atmosphäre bis hin zum Mobbing kann alles vorkommen. Eine chronische Erkrankung kann am Arbeitsplatz zu Missverständnissen unter Kollegen führen, beispielsweise, wenn sich Ausfallzeiten oder Flüchtigkeitsfehler häufen. Da Kollegien sehr unterschiedlich sind, kann nur auf ein paar sehr allgemeine Aspekte eingegangen werden, die jeder kritisch für seinen eigenen Arbeitsplatz prüfen kann.

Sind die Kollegen ausreichend über die Erkrankung und die Folgen für den Arbeitsplatz informiert? Ausreichend bedeutet dabei eine sehr persönliche Definition. Es kann heißen, dass Sie der Meinung sind, die Kollegen geht es nichts an, dass Sie eine chronische Erkrankung haben, weil es keinen Einfluss auf die Leistung am Arbeitsplatz hat. Es kann aber auch heißen, dass Sie den Kollegen z.B. erklären möchten, dass Sie aufgrund einer Blasenschwäche häufiger als der Durchschnitt zur Toilette müssen, und sich dadurch nicht etwa von der Arbeit drücken.

Überlegen Sie: Was bedeutet für Ihren Kollegenkreis ausreichend? Gab es schon einmal Konflikte oder Missverständnisse, die auf fehlende Transparenz zurückzuführen waren? Wie wird mit anderen chronisch kranken Kollegen umgegangen und was davon möchten Sie auf jeden Fall vermeiden oder auch in Anspruch nehmen? Was möchten Sie preisgeben, was nicht? Welche fehlenden Informationen könnten sich auch nachteilig auf die Arbeitsatmosphäre auswirken? Was würden Sie sich umgekehrt von Kollegen wünschen, die sich auf einmal anders am Arbeitsplatz verhalten oder häufiger krank sind?

Dabei geht es allerdings nicht nur um Rücksichtnahme von Seiten der Kollegen. Am Arbeitsplatz geht es auch um gegenseitige Kooperation, wobei sich das Geben und Nehmen langfristig relativ gleich einpendeln sollte, um Unzufriedenheit vorzubeugen. Was wünschen Sie sich von Ihren Kollegen und an welchen Stellen können Sie sich auch revanchieren? Das müssen nicht immer die gleichen Gegenleistungen sein, vielmehr zählt das Gefühl, dass sich alle nach ihren Kräften einbringen.

Ist das Gleichgewicht aus Geben und Nehmen gegeben, sind Kollegen sehr wichtige Netzwerkpartner: Sie können im Krankheits- oder Krisenfall den Rücken freihalten, Aufgaben mal abnehmen und auch schlicht ein gutes Gefühl der Unterstützung geben. So fällt es Arbeitnehmern viel leichter, auch mal einen Tag auszuruhen, wenn klar ist, die Kollegen wissen, dass dies aus Selbstfürsorge geschieht anstatt aus Faulheit.

Der Kontakt zu Vorgesetzten kann ebenfalls ein wichtiges Element im Netzwerk sein. Auch hier reicht die Spannweite von vertrauensvoller, unterstützender Beziehung bis zu Schikanen. Es gelten zunächst ähnliche Fragen wie bei den Kollegen: Ist der/die Vorgesetzte ausreichend über die Erkrankung und die Folgen für den Arbeitsplatz informiert? Bei allem Verständnis für eine chronische Erkrankung bleibt der Chef aber auch Chef und der Arbeitnehmer bleibt Arbeitnehmer. Eine tragfähige Beziehung bedeutet deshalb nicht, die im Arbeitsvertrag geregelten Pflichten nicht mehr erfüllen zu müssen. Allerdings kann ein tragfähiges Netz dazu beitragen, gemeinsam kreative Lösungen zu finden, damit die Arbeit weiter zuverlässig erfüllt werden kann. An dieser Stelle spielt ein gutes Selbstmanagement eine wichtige Rolle: Mitarbeiter, die trotz chronischer Erkrankung auch die eigenen Stärken im Blick behalten, können in der Regel besser verhandeln.

Kontakte zu Kunden, Geschäftspartnern, Berufskollegen, anderen Firmen werden von den allermeisten unter Netzwerken oder englisch „Networking“ verstanden. Diese Kontakte spielen die wichtigste Rolle, wenn es um den Wechsel des Arbeitsplatzes geht. Hier können vor allem die eigenen Stärken als Arbeitnehmer nach außen präsentiert werden. Denn auch wenn eine chronische Erkrankung natürlich bedeuten kann, dass die Arbeitsfähigkeit krankheitsbedingt eingeschränkt ist, gibt es doch eine Vielzahl Erkrankter, die sehr erfolgreich im Arbeitsleben stehen. Gute Kontakte erhöhen somit auch die Wahlmöglichkeiten einen für sich individuell passenden Arbeitsplatz zu finden. Wie gut der Arbeitsplatz zu den eigenen Bedürfnissen und der eigenen Leistungsfähigkeit passt, hat einen entscheidenden Einfluss darauf, wie lange jemand trotz chronischer Erkrankung am Arbeitsplatz bleiben kann.

Überlegen Sie: Welche Beziehungen und Kontakte können Sie intensivieren? Welche kosten eventuell zu viel Kraft? Gibt es Branchen, Firmen etc. wo Sie gerne arbeiten möchten? Wie könnten einzelne Schritte aussehen? Welche Kontakte können dabei hilfreich sein?

Bei größeren Firmen oder Institutionen gibt es zudem Betriebsräte, Mitarbeitervertretungen oder Personalräte, die ebenfalls zum persönlichen Netzwerk zählen können.

Prüfen Sie: Wie ist dies an Ihrem Arbeitsplatz organisiert? Welche Erfahrungen haben Sie oder andere mit diesen Interessenvertretungen gemacht? Bei welchen Angelegenheiten können Sie sich hier Rat und Hilfe holen?

2. Kontakte zu professionellen Helfern

Auch wenn es nicht unmittelbar mit dem Arbeitsplatz zu tun hat, spielen für ein tragfähiges Netzwerk auch die behandelnden Haus- und Fachärzte eine Rolle. Eine vertrauensvolle Beziehung sorgt dafür, dass Sie – falls erforderlich – auch mal eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bekommen können, wenn diese dazu dient, kurzfristige Belastungen abzufangen und Ihre langfristige Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Prüfen Sie: Fühlen Sie sich von Ihrem Arzt unterstützt und verstanden? Haben Sie das Gefühl, dieser kann gut einschätzen, was Ihnen – auch in Bezug auf die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz – guttut? Nimmt er Ihre Einschätzungen ernst? Welche Absprachen gibt es im Falle eines Schubes oder anderer Erkrankungen, die Ihre Arbeitsfähigkeit vorübergehend einschränken? Was können Sie selbst auch dazu beitragen, dass Ihr Arzt Sie gut versteht?

Die Übergänge zu den Ansprechpartnern am Arbeitsplatz sind fließend. Viele Arbeitnehmende mit einer chronischen Erkrankung haben im Laufe ihrer Berufstätigkeit Kontakt zu Betriebsärzten. Inwieweit diese als Teil eines tragfähigen Netzwerkes empfunden werden, ist wiederum sehr unterschiedlich. Betriebsärzte sind grundsätzlich keiner Seite gegenüber weisungsgebunden und unterliegen wie alle Ärzte der ärztlichen Schweigepflicht. Ihnen kommt eine wichtige Aufgabe zu, wenn es um die Wiedereingliederung nach Rehabilitationsmaßnahmen geht, aber auch hinsichtlich der Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen und Gefährdungen. In erster Linie werden Betriebsärzte beratend und nicht behandelnd tätig.

Prüfen Sie: Wer ist für Sie Ansprechpartner? Welche Erfahrungen haben Sie oder andere mit dem Betriebsarzt gemacht? Kennt dieser sich Ihrer Meinung nach genug mit Ihrer Erkrankung am Arbeitsplatz aus? Was können Sie selbst beitragen, um eventuell vorhandene Wissenslücken zu schließen? Wo sehen Sie selbst arbeitsplatzbedingte Gefährdungen, die sich negativ auf den Verlauf der Erkrankung oder Ihre Arbeitsfähigkeit auswirken könnten? Wie könnte Ihnen der Betriebsarzt in solchen Fällen zur Seite stehen?

Integrationsämter und Integrationsfachdienste sind für schwerbehinderte Mitarbeiter vor allem eine Unterstützung, um möglichst lange und möglichst gesund einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und behinderungsbedingte Nachteile bzw. Einschränkungen auszugleichen. Neben finanziellen Hilfen, sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber, gibt es persönliche Beratungen, Hilfsmittelberatung und -versorgung, sowie gemeinsame Gespräche mit Arbeitgebern, Kostenträgern und Ihnen als Arbeitnehmer. Da die Aufgaben viel vielfältiger sind, als sie hier beschrieben werden können, wird auf folgende Internetseiten verwiesen http://www.ifd-nrw.de/index.html und https://www.integrationsaemter.de/Aktuell/72c/index.html.

Überlegen Sie an dieser Stelle: Welche Hilfsmittel oder Umbauten würden Ihnen die Arbeit erleichtern? Wie könnte der Integrationsfachdienst Kollegen oder Vorgesetzte aufklären? Ist eine Veränderung des Arbeitsplatzes oder eine Umschulung sinnvoll?

Kontakte zu Selbsthilfeverbänden wie dem DMSG-Landesverband NRW, der Deutschen Rheuma-Liga NRW oder der Aidshilfe NRW sind sicherlich eine hilfreiche Ergänzung bei verschiedenen Fragestellungen. Für die Netzwerke am Arbeitsplatz greifen die verschiedenen psychosozialen Einzelberatungen. Sie können sich im Internet unter www.dmsg-nrw.de, www.rheuma-liga-nrw.de und www.ahnrw.de informieren, welche Angebote vorgehalten werden. Dort finden Sie auch die Telefonnummern der einzelnen Ansprechpartner.

Neben den Einzelberatungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten können Sie Ihr Netzwerk aber auch mit allgemeinem Hintergrundwissen tragfähiger werden lassen. Deshalb an dieser Stelle noch einmal der Hinweise auf die unterschiedlichen Broschüren, die über die Verbände bezogen werden können sowie auf die Seminare, die auch immer wieder arbeitsplatzbezogene Schwerpunkte haben.

Überlegen Sie: Bei welchen Fragen könnten Sie sich an Ihren Selbsthilfeverband wenden? Welche Schwerpunkte helfen bei Ihrer Fragestellung wahrscheinlich am meisten weiter? Von welchen Problemen möchten Sie dem Landesverband auch einfach berichten, damit diese Themen in der Zukunft angegangen werden?

3. Netzwerke im privaten Umfeld

Private Netzwerke aus Familie und Freunden spielen für die meisten Menschen sicherlich die wichtigste Rolle. Neben finanzieller Unterstützung sind vor allem auch die praktische, emotionale und soziale Unterstützung in Krisen (überlebens-)wichtig. Private Netzwerke – bzw. Beziehungen grundsätzlich – funktionieren dabei nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit: Man erlebt sich dann als eingebettet und unterstützt, wenn langfristig eine gute Balance aus Geben und Nehmen vorhanden ist. Gegenseitigkeit bedeutet aber nicht, dass zwangsläufig Gleiches mit Gleichem ausgeglichen werden muss. Vielmehr geht es bei den beteiligten Personen um ein subjektiv gutes Gefühl. Beispielsweise kann der eine besser schwere körperliche Tätigkeiten ausführen, aber der andere dafür besonders gut emotionale Unterstützung und Gespräche zurückgeben. In Krisen gerät dieses Gleichgewicht natürlich vorübergehend ins Wanken. Das liegt in der Natur der Sache und ist auch nicht dramatisch, wenn es auf lange Sicht wieder ausgeglichen werden kann. Aus Sorge, Unterstützung nicht wieder ausgleichen zu können, oder auch aus der Überzeugung heraus es sei ein Zeichen von Schwäche, scheuen sich allerdings viele Menschen, Andere um Hilfe zu bitten. Dabei können auch schon kleine Hilfestellungen unter Umständen genügen, um mit den eigenen Ressourcen besser zurecht zu kommen.

Bezogen auf die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz sind folgende rein praktische Fragen hilfreich: An welchen Stellen bemerken Sie Energiefresser? Ist es der Weg zur Arbeit mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln? Oder der Druck zu einer bestimmten Zeit wieder zu Hause sein zu müssen, beispielsweise wenn die Kinder aus der Schule zurück sind? Was müsste anders sein, um wieder mehr Energie am Arbeitsplatz zur Verfügung zu haben? Wer könnte Sie dabei unterstützen? Gibt es Fahrgemeinschaften? Können die Kinder nach der Schule mit zu einem Freund? Wer kann Ihnen zu Hause „den Rücken freihalten“, damit Sie sich nach der Arbeit kurz ausruhen können? Wer könnte beim Einkauf schwerer Sachen oder bei anstrengenden Tätigkeiten im Haushalt eine Hilfe sein? Wer könnte zu Hause dabei helfen, damit Sie neben der Arbeit auch noch Energie für die schönen Dinge im Leben haben?

Aber auch die emotionale Unterstützung hat für die eigene Leistungsfähigkeit eine große Bedeutung: Wer ist ein guter Zuhörer? Von wem fühlen Sie sich verstanden? Bei wem können Sie einfach mal weinen oder Frust abladen und wissen gleichzeitig, dass dieser Mensch das gut verkraften kann und Sie kein schlechtes Gewissen haben müssen?

Manchmal sind aber Familie und Freunde, aus welchen Gründen auch immer, selbst überlastet oder nicht in ausreichender Zahl vorhanden und können in Ihrem Netzwerk keine tragende Rolle spielen. Dann können Selbsthilfegruppen und Beratende mit derselben Erkrankung helfen, das unmittelbar private Umfeld zu entlasten. Ohne direkten Bezug zum Arbeitsplatz, dafür aber mit dem Wissen um die Schwierigkeiten und Fragen, die mit der Erkrankung am Arbeitsplatz auftauchen können, finden Sie hier wichtige Ansprechpartner. Auch die „Regel der Gegenseitigkeit“ bekommt hier eine andere Gewichtung. In einer Selbsthilfegruppe bringen sich alle den eigenen Kräften entsprechend ein und Beraterinnen und Berater sind in einer professionellen Rolle und Sie dürfen ohne schlechtes Gewissen auch mehr „nehmen als geben“. Kontakte und Ansprechpartner finden Sie unter www.dmsg-nrw.de, www.rheuma-liga-nrw.de und www.ahnrw.de.

Stellen Sie sich folgende Fragen: Welche Art emotionaler Unterstützung ist in Ihrem unmittelbaren privaten Umfeld möglich? Welche Stärken und Schwächen haben diese Personen? Gibt es auch Menschen, von denen Sie Unterstützung erhoffen, die Ihnen aber zurückmelden, mit Ihren Problemen überfordert zu sein? Wo wäre es für alle Beteiligten günstig, das Netzwerk um weitere Kontakte zu erweitern?

Netzwerke sind allerdings nichts Selbstverständliches, sondern müssen mit viel Einsatz aufgebaut und vor allem auch gepflegt werden. Auch dies hängt mit der Regel der Gegenseitigkeit zusammen. Der erste Schritt ist tatsächlich, auch ohne unmittelbare Gegenleistung in dieses Netzwerk bzw. die einzelnen Partner im Netzwerk zu investieren. Wie dieses Engagement aussieht, hängt vor allem davon ab, ob es sich um berufliche, professionelle oder private Kontakte handelt.

Bei den beruflichen Kontakten zu Kollegen, Vorgesetzten und Geschäftspartnern zählen vor allem arbeitsplatzbezogene, aber auch zwischenmenschliche Investitionen.

Überlegen Sie: Wann ist für Sie ein Kollege ein guter Kollege? Welche Eigenschaften und Verhaltensweisen zeichnen einen guten Kollegen aus? Was wünschen Sie sich von Ihren Kollegen? Um dann in einem zweiten Schritt kritisch zu überprüfen, an welchen Stellen Sie Ihren eigenen Anforderungen gerecht werden – oder auch nicht. Sind Sie selbst ein Kollege, den Sie gerne hätten? Wo können Sie sich selbst wie ein guter Kollege verhalten ohne sofort eine Gegenleistung zu erwarten? Die Erfahrung zeigt, dass funktionierende Netzwerke in der Regel auf ein langes Investment zurückblicken können und sich manchmal auch erst spät „auszahlen“.

Bei den professionellen Kontakten zählen wiederum andere Kriterien: Welche Rechtsansprüche haben Sie? Ist die Leistung dieses Netzwerkpartners an eine Mitgliedschaft und/oder Gebühr gebunden? Worin besteht Ihre „Gegenleistung“ und können und wollen Sie diese erbringen? Wo können Sie sich informieren, wer Ihnen an professionellen Unterstützern zur Verfügung stehen kann?

Bei den privaten Netzwerken sind schließlich vor allem soziale Kompetenzen gefragt: Was tragen Sie dazu bei, dass andere von Ihnen unterstützt werden? Wo liegen Ihre persönlichen Stärken sich in das Netzwerk einzubringen? Mit welchen Menschen fällt es leicht, die „Regel der Gegenseitigkeit“ aufrecht zu erhalten, mit welchen nicht und woran könnte das liegen? Wie gut haben Sie gelernt, Hilfe anzubieten und Hilfe anzunehmen? Gerade Menschen, die es eher gewohnt sind, Unterstützung zu geben, anstatt anzunehmen, umgeben sich oft mit Netzwerkpartnern, die es eher gewohnt sind, Unterstützung anzunehmen. Gerät diese Gewohnheit in Schieflage, weil jetzt beide Partner Unterstützung bedürfen, stellt sich bei Vielen Enttäuschung ein, bis hin zu der Überzeugung „Verlass dich auf andere und du bist verlassen.“ Aber insbesondere bei solchen Konstellationen lohnt sich ein kritischer Blick: Wären diese Menschen überhaupt in der Lage, die Art von erwarteter bzw. benötigter Unterstützung überhaupt zu leisten? Oder wäre es vielmehr erforderlich andere Menschen in das eigene Netzwerk einzubinden, die das besser können?

Breit aufgestellte Netzwerke können eine große Hilfe sein, um auch mit einer chronischen Erkrankung möglichst lange und möglichst gesund im Arbeitsleben bleiben zu können. Gleichzeitig erfordern Aufbau und Pflege viel persönlichen Einsatz und auch Kompetenzen.

 

Quelle: Von der Heiden, K. & Schipper, S. (2017). Miteinander stark sein. Netzwerke aufbauen und nutzen. Einhefter des MS-Magazins 03/2017 des DMSG-Landesverbandes NRW e.V.