Unterstützungsstellen für chronisch erkrankte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Im Rahmen des Projekts „Chronische Erkrankungen am Arbeitsplatz“ wurde vom 1.12.2017-15.3.2018 eine Online-Befragung durchgeführt. An dieser nahmen insgesamt 1.280 Menschen teil, die mindestens eine chronische Erkrankung hatten, volljährig waren und schon einmal einer bezahlten Tätigkeit nachgegangen sind.

In diesem Artikel werden die Ergebnisse der Online-Befragung zu dem Themenkomplex „Unterstützungsstellen für chronisch erkrankte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“ behandelt. Welche Unterstützungsstellen gibt es am Arbeitsplatz? An welche würden sich die Befragten wenden und an welche haben sie sich tatsächlich gewandt? Der Text soll chronisch erkrankten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aufzeigen, welche Unterstützungsmöglichkeiten es für sie gibt, wenn sie Fragen oder Probleme bezüglich ihrer Erkrankung am Arbeitsplatz haben. Des Weiteren wird vorgestellt, was den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer Umfrage in Bezug auf Unterstützung besonders wichtig war.

Welche Unterstützungsstellen wurden in Anspruch genommen?

Wir haben gefragt, an welche Unterstützungsstellen sich chronisch erkrankte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Fragen oder Problemen wenden würden, an welche sie sich tatsächlich gewandt haben, und welche Unterstützungsstellen es an ihrer derzeitigen oder letzten Arbeitsstelle gab. Die Ergebnisse für Unterstützungsstellen am Arbeitsplatz sind in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung 1: Prozentuale Zustimmung zu den Fragen „An welche der folgenden Personen/Stellen würden Sie sich wenden, wenn Sie Fragen oder Probleme bezüglich Ihrer Erkrankung am Arbeitsplatz haben?“, „Zu welchen der folgenden Personen/ Stellen hatten Sie schon einmal Kontakt, als Sie Fragen oder Probleme bezüglich Ihrer Erkrankung am Arbeitsplatz hatten?“ und „Welche der folgenden Personen oder Stellen gibt/gab es an Ihrem Arbeitsplatz?“ (Mehrfachauswahl möglich).

Vorgesetzte und Kolleginnen und Kollegen wurden häufig kontaktiert, obwohl relativ wenige Befragte angaben, dass sie sich bei Fragen oder Problemen an diese wenden würden. Anders sieht es bei der Schwerbehindertenvertretung aus: Es würden sich deutlich mehr Befragte daran wenden, als dies tatsächlich bisher geschehen ist. Dies kann z. B. daran liegen, dass dies bislang noch nicht notwendig war, oder dass diese Stelle im Betrieb nicht vorhanden ist.

Abbildungen 2 und 3 zeigen in Bezug auf Unterstützungsstellen außerhalb des Arbeitsplatzes, dass sich viele an Ärztinnen und Ärzte gewandt haben, wenn es um Fragen oder Probleme am Arbeitsplatz ging. An Krankenversicherung, Integrationsamt oder Integrationsfachdienst würden nach eigenen Angaben mehr der Befragten herantreten, als bisher geschehen. Dies gilt gleichermaßen für Selbsthilfeverbände. Wenig Unterschiede gibt es bei Partner, Freunden oder Familie. Zu diesen Personen besteht oft ein besonderes Vertrauensverhältnis, sodass sich viele ihnen tatsächlich anvertrauten.

Abbildung 2: Prozentuale Zustimmung zu den unter Abb. 1 genannten Fragen (Mehrfachauswahl möglich).
Abbildung 3: Prozentuale Zustimmung zu den unter Abb. 1 genannten Fragen (Mehrfachauswahl möglich).

Wie sollte gute Unterstützung aussehen?

Anschließend haben wir gefragt, welche Eigenschaften von Unterstützung bei Fragen oder Problemen bezüglich der Erkrankung am Arbeitsplatz besonders wichtig sind. Dabei wurde nicht unterschieden, ob es sich um praktische Unterstützung, Unterstützung in Form von Informationen oder emotionale Unterstützung handeln sollte. Abbildung 4 zeigt die als am wichtigsten eingestuften Eigenschaften.

Abbildung 4: Prozentuale Zustimmung („Ist mir eher wichtig“ oder „Ist mir sehr wichtig“), wie wichtig bestimmte Eigenschaften von Unterstützung sind.

Am wichtigsten war den Teilnehmenden, dass die Frage nach Unterstützung keine negativen Folgen haben sollte, dass ihre Interessen tatsächlich durchgesetzt werden und dass die Helfenden keine Vorurteile gegenüber der Erkrankung haben sollten. Weniger wichtig war den Befragten, dass Menschen mit derselben Erkrankung Unterstützung leisten (22,9 % Zustimmung) oder dass diese Personen sich vor Ort am Arbeitsplatz befinden (47,8 % Zustimmung).

Weniger wichtig war auch, anonym bleiben zu können (49,9 % Zustimmung) oder die Erkrankung nicht mitteilen zu müssen (39,6 % Zustimmung). Wenn Befragte eine Erkrankung hatten, gegenüber der es noch eher zu Vorurteilen kommen kann, waren ihnen diese Punkte jedoch wichtiger.

Ausblick

Es gibt viele Unterstützungsstellen für chronisch erkrankte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Manche richten sich nur an schwerbehinderte oder ihnen gleichgestellte Personen, an viele können sich jedoch auch nicht schwerbehinderte Erkrankte wenden.

Wenn am Arbeitsplatz ein gutes Vertrauensverhältnis zu Vorgesetzten oder Kolleginnen und Kollegen herrscht, kann vieles möglich gemacht werden. Fehlt dieses Vertrauensverhältnis oder fehlen Kenntnisse über die Möglichkeiten, kann es lohnen, sich außerhalb seines Arbeitsplatzes Unterstützung zu suchen. Hier ist oft ein unabhängiges Beratungsgespräch möglich und es ist zunächst nicht per se notwendig, die Erkrankung am Arbeitsplatz mitzuteilen. Weitere Hilfen, die auch Personen am Arbeitsplatz mit einbeziehen, können so angestoßen werden.

Denn eines ist ganz besonders wichtig: Die Frage nach Unterstützung darf keine negativen Folgen haben. Genauso wichtig ist es, mit Menschen sprechen zu können, die aufgrund der Erkrankung nicht vorschnell urteilen, sondern sich sachlich mit den Fragen und Problemen der Ratsuchenden auseinandersetzen. Diese Ergebnisse sind eine Botschaft an alle, die chronisch erkrankte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unterstützen wollen. Dies können ihre Kolleginnen und Kollegen sein, die Selbsthilfe, Beratungsdienste oder Behörden.

An wen kann ich mich wenden?

Bei den Unterstützungsstellen für chronisch erkrankte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird unterschieden zwischen Unterstützungsstellen am Arbeitsplatz und außerhalb des Arbeitsplatzes sowie zwischen Unterstützungsstellen für schwerbehinderte oder gleichgestellte Arbeitnehmende und für nicht schwerbehinderte Arbeitnehmende. Gleichgestellte Arbeitnehmende sind Menschen, bei denen ein Grad der Behinderung von 30 oder 40 festgestellt wurde, die also formal nicht schwerbehindert sind, bei denen aber von der Agentur für Arbeit auf Antrag eine Gleichstellung zu schwerbehinderten Arbeitnehmenden festgestellt wurde. Tabelle 1 gibt einen Überblick über wichtige mögliche Unterstützungsstellen.

Tabelle 1: Unterstützungsstellen am Arbeitsplatz oder außerhalb des Arbeitsplatzes für schwerbehinderte/gleichgestellte oder nicht schwerbehinderte Menschen.

 

Quelle: Lobert, H. & Schipper, S. (2018). Unterstützungsstellen für chronisch erkrankte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Online-Befragung Teil 2. Einhefter des MS-Magazins 03/2018 des DMSG-Landesverbandes NRW e.V.