Offenlegung der Erkrankung am Arbeitsplatz

Wenn Sie überlegen, ob Sie jemandem auf der Arbeit anvertrauen sollen, dass Sie eine chronische Erkrankung haben, ist es ratsam, sich persönlich beraten zu lassen. Denn jede Situation ist anders und jede Person und jeder Arbeitgeber reagiert anders. Was einmal „raus“ ist, kann nicht wieder zurückgenommen werden. Wir wollen verschiedene Situationen betrachten, in denen sich die Frage nach der Offenlegung der Erkrankung stellen kann:

Bei der Bewerbung auf eine neue Stelle

Chronisch Kranke sind nicht verpflichtet, einem potentiellen Arbeitgeber ihre Erkrankung mitzuteilen. Fragt der Arbeitgeber im Bewerbungsgespräch allgemein nach einer solchen Krankheit, stellt dieses eine unzulässige Frage dar, die zum Lügen berechtigt und eine spätere Anfechtung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber ausschließt.

Ein Fragerecht seinerseits besteht nur, wenn der Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse an der Beantwortung hat. Das kann dann der Fall sein, wenn Sie Ihre vertraglich geschuldete Arbeitsleistung gar nicht oder nur in eingeschränktem Umfang erbringen können oder wenn Sie – z. B. wegen einer akuten Krankschreibung oder geplanten Reha-Maßnahme – wissen, dass Sie die Arbeit nicht zum vereinbarten Termin aufnehmen können. In diesen Fällen besteht die Notwendigkeit, den Arbeitgeber über Ihre Einschränkungen zu informieren. Gleiches gilt bei Bestehen eines Gefährdungsrisikos für Sie selbst und andere Personen (z.B. bei Gleichgewichtsstörungen eines Dachdeckers, bei Sehstörungen eines Busfahrers etc.).

Eine Schwerbehinderung ist im Bewerbungsverfahren hingegen nicht mitzuteilen. Die Frage nach der Schwerbehinderung im Bewerbungsgespräch ist unzulässig.

Sollten Sie sich für den öffentlichen Dienst bewerben, sollten Sie allerdings darüber nachdenken, die Schwerbehinderung bei der Bewerbung anzugeben. Soweit Sie für die ausgeschriebene Stelle nicht offensichtlich ungeeignet sind, sind Sie nämlich zu einem Bewerbungsgespräch einzuladen.

Während eines bestehenden Arbeitsverhältnisses

Treten während des laufenden Arbeitsverhältnisses Einschränkungen auf, die Gefährdungspotential für Sie und andere haben oder aufgrund derer die vertraglich geschuldete Leistung nicht mehr erbracht werden kann, müssen Sie Ihren Arbeitgeber hiervon unterrichten.

Eine Schwerbehinderung ist hingegen auch im bestehenden Arbeitsverhältnis nicht eigeninitiativ mitzuteilen. Sie können den besonderen Kündigungsschutz trotzdem in Anspruch nehmen, wenn Sie Ihren Arbeitgeber innerhalb einer Frist von drei Wochen nach Zugang der Kündigung über die Schwerbehinderung in Kenntnis setzen.

Die Frage des Arbeitgebers nach der Schwerbehinderung ist jedoch nach 6 Monaten, also nach dem Erwerb des Sonderkündigungsschutzes für behinderte Menschen, zulässig. Verneinen Sie die Frage wahrheitswidrig, ist der Sonderkündigungsschutz ausgeschlossen.

Bitte beachten Sie, dass Sie Nachteilsausgleiche für Schwerbehinderte nur in Anspruch nehmen können, wenn Sie Ihren Arbeitgeber über die Schwerbehinderung in Kenntnis gesetzt haben.

Bei der Bewerbung auf oder innerhalb eines bestehenden Beamtenverhältnisses kann die Situation durchaus anders aussehen. Lassen Sie sich in diesem Fall am besten persönlich beraten.

 

Quelle: Lobert, H., Siemonsmeier, D. & Schipper, S. (2018). Arbeiten mit einer chronischen Erkrankung. Online-Befragung Teil 1. Einhefter des MS-Magazins 02/2018 des DMSG-Landesverbandes NRW e.V.